„Rheinmetall Aktie: Friedensangst schockt Anleger“ – so lautet eine Schlagzeile des „Börse-Express“ vom 21. November. Zu all den Ängsten, die unsere Zeit plagen, die Viren-Angst, die Klima-Angst, die Zukunfts-Angst, hat sich eine neue gesellt: die Friedens-Angst. Die „Rheinmetall-Aktie“, die im Titel der Friedensangst vorangestellt ist, steht stellvertretend für all jene Profiteure, für die der Krieg ein Geschäft bedeutet.
Der Militäranalyst Franz-Stefan Gady erklärt im Podcast Lanz und Precht die schwierige Lage der ukrainischen Armee mit folgenden Worten: „Das größte Problem ist nach wie vor das Personalproblem auf der ukrainischen Seite.“ Ein Personalproblem hat derzeit so manches Unternehmen, Fachkräftemangel gibt es auf allen Ebenen, warum nicht auch auf dem Schlachtfeld? Das Geschäft des Krieges wird in der Sprache allmählich zum Business wie jedes andere, zur neuen Normalität.
Profitieren kann man nicht nur mit Geschäften. Sieht man sich manche Kommentare zum Ukraine-Krieg an, so gewinnt man den Eindruck: Die Angst vor einem größeren Krieg verblasst zusehends angesichts der Sorge, der Friede könne … Jetzt hätte ich fast geschrieben: ausbrechen. Kann ein Friede denn ausbrechen?
Und ob er das kann! Ein Kommentar des ZDF-Korrespondenten Elmar Theveßen führt es uns vor Augen. Befragt, was der erneute Wahlsieg Donald Trumps für den Ukraine-Krieg bedeute, antwortet er: „Die gute Nachricht ist: Es wird nicht am ersten Tag der Friede ausbrechen in dieser Region.“
Was war bisher nicht schon alles ausgebrochen: Vulkane, Aufstände, Kriege, eine Pandemie – aber der Friede? Der ist sprachlich zu solchen Eruptionen gar nicht fähig. Ein Friede wird geschlossen, gestiftet oder verhandelt. Doch für Europa gab es statt eines Friedensplans bislang nur eine einzige Parole: „Die Ukraine muss den Krieg gewinnen!“ Sollte es je Frieden geben, dann muss es also ein Siegfriede sein. Und wenn dieser Sieg nicht eintritt, dann muss es halt weiter Krieg geben, koste es, was es wolle. Jeder Gedanke an etwas anderes ist für die Propagandisten des Sieges ein Frevel und ein Gesichtsverlust. Darum ist die Kunde, der Friede werde schon nicht ausbrechen, für Theveßen „eine gute Nachricht“, geradezu eine frohe Botschaft. Der Friede sei mit euch? Nicht mit uns!
Das Diktum vom Friedensausbruch ist ein Paradebeispiel für die Orwellsche Formel der totalitären Propaganda: „Krieg ist Frieden; Freiheit ist Sklaverei; Unwissenheit ist Stärke.“
