Leserpost

Eine Auswahl aus den Leserzuschriften zu meinen Blogbeiträgen

Das Volk ist zurück

Hintergrund des folgenden Leserbriefs: Das Wort „Volk“ geht etymologisch auf das althochdeutsche Volc zurück, was Haufe oder Kriegsschar bedeutet. Das Wort stand also von Anfang im Kontext von Ausnahmesituation und Gewaltbereitschaft. Dazu schreibt mir eine Leserin:

Was für ein Genuss! Hab Ihren Beitrag in einem Zug durchgelesen. Ja, ein Ungeheuer mit einer Ungeheuerlichkeit bekämpfen – ob verbal, psychologisch oder physisch – zu wollen, scheint in dieser Zeit mehr denn legitim zu sein… Vielen Dank für Ihren wortgewaltigen Artikel (irgendwie fällt mir gerade kein anderer Ausdruck ein, auch wenn ich das Wort „Gewalt“ in dem Adjektiv feststelle). Übrigens habe ich nachgedacht. In dem Wort Min Zu 民族 (Mandarin ist neben Taiwanesisch auch meine Muttersprache) steckt im Schriftzeichen Zu 族 auch das Schriftzeichen für den Pfeil 矢. Das Schriftzeichen 民 stellt ursprünglich ein Auge (das Flache oben), das von einem scharfen Gegenstand verletzt worden ist. Irgendwie dachten die scheinbar so unterschiedlichen “Völker” doch nicht so unterschiedlich:)

Der ökologische Fußabdruck

Das ist sehr gut zum Nachdenken! Sehr gut formuliert. Dennoch denke ich, dass wir die Metapher nicht mehr loswerden können. Ich halte Belem nicht für einen Klimagipfel, es wird dort aber die unsägliche Gier der „Westler“ in einem Europa des fossilen Kapitalismus sichtbar… Das macht mir nicht gerade Mut!

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Streng genommen kann ich Ihrer Argumentation schon folgen, sie scheint mir aber etwas zu streng. Da die Formulierung allgemein klar verständlich ist, ist der Sinn der Sprache eigentlich erfüllt. Ich glaube nicht, dass es an der falschen Metapher „Fußabdruck“ liegt (es wäre mit der Fußspur nicht anders), dass „ein lähmender Fatalismus entstanden ist“. „Wir“ ändern unsere Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten deswegen nicht, weil es Verzicht generell sowie auf liebgewonnene Gewohnheiten bedeuten würde und es überdies noch mit nicht unerhebliche Kosten verbunden ist – nicht bedenkend, dass die Kosten damit in Zukunft noch viel höher ausfallen werden.

„Eier haben“

Mit Ihrem Absatz am Ende gehe ich als glücklicher Vater voll dacor. Zum „Eier haben“ kommt mir noch Schillers Wilhelm Tell in den Sinn. Auch Sprache hat oft die Funktion eines Gesslerhuts. Am Beispiel Ihrer ZEIT-Journalistin zeigt sich womöglich, dass ihr Vogt auf der medialen Stange einen anderen Hut wünscht (Woke ist vielleicht vorbei).

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Warum spricht man in weiten Teilen Europas umgangssprachlich von „Eiern“ und „Cochones“, wenn man Hoden meint, während der angelsächsische Raum ungeachtet der Anatomie auf „Balls“ zurückgreift? Sie sehen, wie wichtig es war, dies wichtige Thema aus dem „Dark Room“ geholt zu haben um es bei Lichte zu diskutieren.

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Was das „Dienen“ betrifft, empfinde ich den Begriff im Anschluss an den Militärdienst durchaus zutreffend – ohne Nebengeräusch. Aber vielleicht bin ich da zu naiv.