Im derzeitigen Krieg der USA gegen den Iran steht Donald Trump vor einer ungemein folgenreichen Entscheidung. Aus den ersten Pulverdämpfen kristallisiert sich immer klarer eine Ernüchterung heraus. Mit Luftschlägen allein lässt sich keines der erklärten Kriegsziele erreichen, weder ein Regime-Wechsel, noch die Zerstörung des iranischen Atomprogramms und nicht einmal die völlige Kontrolle über die Straße von Hormus. Militärexperten sind sich einig: Wenn Trump all seine Ziele erreichen will, dann braucht er, ja, was eigentlich? In frühere Zeiten hätte man gesagt: Er braucht Bodentruppen. Und alle Experten sind sich ebenso einig: Dann wird es hohe Verluste an Menschenleben geben, und zwar auf beiden Seiten. Dann ist man endgültig in der brutalsten Ebene des Krieges angekommen, mit unabsehbaren Folgen.
Unter Experten und in ihrem Gefolge auch unter Journalisten macht aber inzwischen ein neues Wort Karriere, das die Bodentruppen mehr und mehr verdrängt: Es sind die Boots on the ground. Das klingt irgendwie smarter, zeitgemäßer, cooler. Es könnte auch ein Song- oder Filmtitel sein. Man muss es sich nur auf der Zunge zergehen lassen: Boots on the Ground.
Schon die Bodentruppen sind ein problematischer Begriff. Das Wort Truppe stammt vom französischen troupe, und dieses Wort ist wiederum ist vom gallo-romanischen troppus entlehnt, was Herde bedeutet. Hier ist der gedankliche Sprung zum Schlachtvieh und Kanonenfutter nicht weit.

Aber während in der Bodentruppe immerhin noch ein Rest der Vorstellung lebt, dass es sich dabei um eine Gruppe von Menschen handelt, wenn auch nur noch anonymisiert und kollektiviert, so ist der Mensch im Begriff Boots on the Ground endgültig verschwunden. Der Soldat ist zum bloßen Stiefel degradiert, der über feindlichen Boden trampelt.
Es ist kein gutes Zeichen, wenn das Sprechen über den Krieg vor lauter Smartheit den Menschen aus dem Blick verliert. Boots on the ground stehen für eine radikale Verdinglichung des Menschen, es ist ein Sprachbild des Inhumanen, das nur dazu dient, sich leichter mit dem Verlust von Menschenleben zu arrangieren. Stumpfe Sprache bedeutet immer eine Abstumpfung des Geistes.
